Die Mieten explodieren, die Zahl der Sozialwohnungen sinkt, die Obdachlosigkeit wächst. Für immer mehr von uns ist es unerschwinglich, in hessischen Städten zu leben, allen voran in Frankfurt. Breite Bevölkerungsschichten sind inzwischen davon betroffen. Menschen mit geringem Einkommen oder in prekären Lebenslagen sind auf dem Wohnungsmarkt chancenlos. Rassismus und Diskriminierung erschweren die Wohnungssuche zusätzlich. Bis zum Jahr 2040 fehlen in Hessen mehr als 500.000 Wohnungen. In Deutschland gibt es zurzeit fast 350.000 Obdachlose, ein hoher Anteil davon sind Frauen und Menschen mit psychischen Problemen. Besonders häufig verlieren Menschen ihre Wohnung aufgrund von Mietschulden. Danach finden sie keine Wohnung mehr. Sie werden von der Gesellschaft ausgegrenzt und stigmatisiert. Diesem Problem wird vom Staat jedoch nicht ausreichend entgegengesteuert. Es gibt noch nicht einmal eine offizielle Statistik, wieviele Menschen obdachlos sind. Auskunft darüber geben lediglich Schätzungen von Wohlfahrtsverbänden. Die Aufgabe des Staates ist es, die Menschen zu schützen, denn das Recht auf Wohnen ist ein unverzichtbares Menschenrecht. Statt sozialem Wohnungsbau geht das finanzielle Wohl der Vermietenden vor. Bereits jetzt suchen 50.000 Menschen eine Sozialwohnung, während 2017 landesweit nur 582 Sozialwohnungen genehmigt wurden. Statt einer konsequenten Mietpreisbremse gibt es etliche Schlupflöcher. Sie funktioniert nicht und ist keine Hilfe für Betroffene. So gilt die Mietpreisbremse nicht nach einer umfassenden Modernisierung oder wenn die Wohnung erst nach Oktober 2014 vermietet wurde. Diese Lücken eröffnen SpekulantInnen Möglichkeiten, um trotz gesetzlicher Regelung überhöhte Preise zu verlangen. Nicht gewollt und nicht gekonnt. Luxussanierung, explodierende Mieten, Obdachlosigkeit. Spekulierende kaufen sich Wohnungen zu spottbilligen Preisen in Gegenden, die sie dann aufwerten – ob die MieterInnen wollen oder nicht. Das Resultat sind steigende Mieten. Viele Menschen aus Gegenden können sich dann die teuren Mieten nicht mehr leisten. So werden dann ärmere Menschen zum Auszug gezwungen, auch mit extremen Maßnahmen wie Zwangsräumungen und wohlhalbendere Personen nehmen ihren Platz ein. Frankfurt ist eine Stadt der Gegensätze. Hier schlafen Menschen auf der Straße, während zwei Straßen weiter das Zweitauto nicht mehr reicht. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist ein Beispiel dafür. Vorher noch verrufen aufgrund von Kriminalität, Prostitution und Drogen, hat es sich inzwischen zu einem “In”-Viertel entwickelt. In den letzten Jahren gab es dort eine Steigerung der Preise um bis zu 60 %. Ein Ende ist nicht abzusehen. Aber auch in anderen Vierteln wie dem Gallus, Praunheim und Rödelheim schreitet die Gentrifizierung weiter voran. Firmen wie die AGB Holding, die der Stadt gehört, sollen eigentlich dafür sorgen, dass es in Frankfurt genug bezahlbaren Wohnraum für alle gibt. Ein Viertel der Wohnungen in Frankfurt befindet sich komplett in ihrem Besitz. Diese Firma erzielt einen Gewinn von 50 Millionen Euro. Anstatt diese Marktposition zu nutzen, um allen bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, beteiligt sich die AGB Holding an der Gentrifizierung. Dabei sollte gerade diese Firma in der Hand der Stadt dafür sorgen, dass alle in Frankfurt bezahlbaren und angemessenen Wohnraum haben. So kann es nicht weitergehen. Auf Kosten der sozial Schwächeren treiben SpekulantInnen die Gentrifizierung weiter voran. Der Staat ergreift keine geeigneten Gegenmaßnahmen. Deshalb fordern wir: – Mietenwahnsinn stoppen – Wirksame Maßnahmen jetzt! – Schutz bestehender Mietverhältnisse! – Keine Verdrängung durch Modernisierung! – Zwangsräumungen verhindern! Kündigungsschutz verbessern! – Sozialen Wohnungsbau deutlich ausweiten! – Lebenswerte Städte ohne Diskriminierung und Ausgrenzung! – Sozialgerechte Bodenvergabe und neue Gemeinnützigkeit! – Lebenswerte Nachbarschaften für alle in ganz Hessen!
![Frankfurt radicaliz[d]](https://fradi.noblogs.org/files/2018/11/cropped-cover-3.jpeg)